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Krutizy-Kloster: Am Ufer der Moskwa in einer anderen Zeit

Der Moskauer Fürst Daniil hat im 13. Jahrhundert eine Kathedrale am Ufer der Moskwa errichten lassen. Wenig später entstand um sie herum ein Männerkloster. Fast ein Jahrhundert danach, im Jahr 1350, wurde Krutizy erstmals in den Annalen erwähnt. Heute wirkt das archetektonische Ensemble wie aus einer anderen Dimension mitten in die russische Hauptstadt versetzt. Im 17. Jahrhundert erlebt das Kloster seine Blütezeit: Krutizy wird zum Bischofssitz. An der Straße nach Kolomna und Rjasan gelegen war Krutizy einst ein sehr belebter Ort. Händler eilten mit ihren Karren umher; Menschen besuchten Gottesdienste; die Metropoliten verteilten aus den Fenstern ihres Teremoks heraus Almosen und segneten Menschen, die sich vor ihren Stuben versammelten. Oder sie genossen einfach den wunderschönen Ausblick auf die russische Hauptstadt. Immer wieder ereilten schwere Zeiten das Krutizy - während der polnischen Besatzung um 1612 etwa. Zwei Jahrhunderte später überstand es den Moskauer Großbrand während der Invasion Napoleons im Jahr 1812. Allen Erschütterungen im Mittelalter und der völligen Vernachlässigung in der Sowjetzeit zum Trotz konnte das Denkmal aber zu 80 Prozent erhalten werden. Heute gehört es zu den Ländereien des Moskauer Patriarchen.

Auch seinen ursprünglichen Geist hat das Krutizy bewahrt. Hier gibt es einfach alles, was ein Liebhaber des vorrevolutionären Moskaus begehrt: mit Rundpflastersteinen belegte Straße, Holzhäuschen mit geschnitzten Fensterrahmen, Prachtbauten und Kirchen aus Backstein und selbst eine begehbare Burgmauer mit Galerie. Krutizy liegt weit abseits der üblichen Touristenrouten und dennoch zentrumsnah. Keine Reisebusse, keine Touristenmassen - hier und da ein Besucher, dort ein Fotograf oder ein Kameramann auf der Suche nach einer historischen Kulisse. Auch Gottesdienste finden in Krutizy nach wie vor statt - in der Auferstehungs- und der Mariä-Himmelfahrts-Kirche. Diese sind auch für einfache Besucher geöffnet. Zwischen 1950 und 1984 wurde das Krutizy restauriert. Der Architekt und Denkmalpfleger Petr Baranowski leitete die Arbeiten. Sein halbes Leben hat er dafür hergegeben: Sein 75-, 80- und 85-jähriges Jubiläum feierte er hier.
Heute bilden Hochhäuser wie das Internationale Haus der Musik oder das Holiday-Inn einen festen Betonring um das Krutizy herum. Erleben Sie das mittelalterliche Moskau, bevor ein weiterer Riese das kleine Stück Geschichte schluckt.

Dieser Beitrag ist ursprünglich bei Russia Beyond the Headlines erschienen.