Home | Kontakt | Login | Impressum

Mediathek

Frohe Ostern 2019!

Kulitschi & bunte Ostereier Kulitschi & bunte Ostereier

In Russland wird das orthodoxe Ostern erst am 28. April gefeiert, da es sich, ebenso wie Weihnachten, nicht nach dem Gregorianischen, sondern nach dem Julianischen Kalender richtet. Die Menschen begrüßen sich mit «Christos voskrese!» (Christus ist auferstanden!), auf den «Voistinu voskrese!» (Wahrhaft auferstanden!) geantwortet wird. Die bei orthodoxen Christen gebräuchliche Tradition, sich beim Ostergruß drei Mal zu küssen, nennt man «christovat`sja».

Der Feiertag zur Auferstehung wird schon eine Woche vorher mit vielen traditionellen Aktivitäten eingeleitet. Der letzte Sonntag vor Ostern heißt auf Russisch Weidensonntag (Verbnoe voskresen`e), weil das Volk Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem mit Palmzweigen begrüßt haben soll. Nur werden die Palmenzweige durch Weiden ersetzt, da sie Symbol für das Wiedererwachen der Natur sind. In der Abendmesse vor Palmsonntag geweihte Zweige sollen vor Krankheiten bewahren, das Haus beschützen und böse Geister fern halten. Deswegen behalten manche Menschen die geweihte Weide im Anschluss der Messe.

Bevor die Karwoche, die strengste Woche des Großen Fastens, beginnt, ist es am Weidensonntag noch erlaubt Fisch und Wein zu sich zu nehmen. Am nächsten Tag fängt der große Frühjahrsputz an, der am «sauberen Donnerstag» beendet werden sollte. Doch nicht nur das Haus wird gesäubert: Traditionell geht man am Donnerstag auch in die Banja oder nimmt ein Bad, um den Körper vollständig zu reinigen. Der Donnerstag ist ebenfalls ein Tag für die Zubereitung der Osterspeisen: Die Eier werden gefärbt und die Osterbrote, die sogenannten Kulitschi, gebacken. In Kirchen geweihten Eiern werden dabei magische Kräfte zugeschrieben, also Menschen die Menschen ihre gefärbten Eier am Samstag mit in die Kirche: Ein im Fundament eingelegtes Osterei soll den Hausbesitzern Glück und Wohlstand bringen. Und über das Gesicht gerollte Ostereier verleihen junges Aussehen. Alles in allem ist es nicht verwunderlich, dass die Menschen früher geweihte und gefärbte Ostereier als Glücksbringer ein ganzes Jahr lang behielten.

Der Freitag vor Ostern ist der strengste Tag der Karwoche: Gläubige sollten den Tag in Trauer verbringen, in die Kirche gehen und nicht arbeiten. Und schließlich beginnt das Fest: Der Ostersonntag beginnt bei vielen russischen Familien mit einem gemeinsamen Frühstück. Auf dem Tisch stehen alle Speisen, die während des 48 tägigen Großen Fastens verboten waren: Wurst, Schinken, Käse, Milch und vieles mehr. Der Ostertisch ist aber nicht nur reich gedeckt, sondern ist auch schön geschmückt. Kerzen und dekorierte Körbchen mit Frühlingsgrün, Blumen oder bunten Stoffresten sind auf der Festtafel Tradition.

Übrigens: Das russische Wort für «Sonntag» (voskresen`e) stammt von dem Wort «Auferstehung» (Voskresenie) ab.


Alexandra Majorov