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"Titanen on Tour" 2018

(c) Katharina Lindner (c) Katharina Lindner

Am 18. Juli 2018 startet der Kaltblut Zucht- und Sportverein Brücke e.V. eine Friedenstour mit einem Planwagen-Treck von Brück in Brandenburg, über Polen, Kaliningrad, Litauen, Lettland, Estland nach Weliki Nowgorod in Russland.
Kulturportal Russland im Interview mit Herrn Siebold, dem Finanzmanager des Kaltblut Zucht- und Sportvereins Brücke e.V.:

1. Herr Siebold, wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Tour zu veranstalten?

Die Idee der Tour ist vor ca. 2 Jahren entstanden und verbirgt einige Überlegungen und Ziele. Das Wichtigste dabei ist die Friedensbotschaft. In Zeiten angespannter Beziehungen zu Russland, wollen wir offen und ohne Vorurteile in das Land einreisen, die Menschen kennenlernen, mit Ihnen in den Austausch kommen. Für die Tour haben wir eine Glocke gießen lassen - wir nennen sie die "Friedensglocke", denn sie soll den Frieden verkünden. Geplant ist, die Glocke in jeder unserer Tour- Stationen läuten zu lassen.
Des Weiteren möchten wir mit der Tour die Vergangenheit nachvollziehen. Im 12. Jahrhundert erfolgte mit Planwagen eine Übersiedlung von Flamen aus der Region Brügge (Belgien) nach Deutschland in den heutigen Fläming. Demnach wohnen hier noch einige Nachkommen der Übersiedler. Selbst die Planwagen der anstehenden Tour sind originalgetreu nachgebaut worden.
Auf unserer im Jahr 2009 durchgeführten Tour von Brügge nach Brück haben wir am Ortsausgang Aachen ein altes Schild gesehen "Brücke - Nowgorod", der sogenannte "Hellweg", eine alte Handelsstraße. So entstand die Idee von "Handel-Wandel-Verbindung-Verständigung" in einem zweiten Abschnitt als Tour vorzubereiten und durchzuführen. Wir wollen den Handelsweg aufleben lassen, nicht nur im Sinne des Handels, sondern menschlicher Verbindungen.

2. Sie werden insgesamt fast 80 Tage unterwegs sein. Das wird für Sie sicherlich eine große Herausforderung darstellen. Dabei werden aber die Pferde die Gesamtstrecke meistern müssen. Wie wird das für sie sein?

Selbstverständlich wird die Tour den Pferden einiges abverlangen, doch wir haben alles sorgsam geplant und an die Möglichkeiten der Pferde angepasst. Zunächst sind Kaltblüter, mit denen wir die Tour in Angriff nehmen, starke Zugpferde, denen man eine solche Belastung zutrauen kann. Zudem wurden die Tour Pferde entsprechend trainiert.
Täglich werden wir 30-35 km innerhalb von ca. 8 bis 10 Stunden zurücklegen. Ruhezeiten sind dabei eingeplant. Pferde sind Dauerfresser ? diesem Umstand müssen wir Rechnung tragen. Täglich werden die Pferde vom Kutscher und Beifahrer vor der Anspannung in Augenschein genommen.
Bei uns wird ein Tierarzt sein. Weite Tierärzte in den Tour Städten haben wir kontaktiert, sodass die Pferde regelmäßig gecheckt werden. Sollte ein Tier nicht mehr einsatzfähig sein, wird es nach Hause transportiert und durch ein anderes ersetzt.

3. Wie viele Menschen und Pferde sind für die Tour eingeplant?
Es werden 18 Pferde (5 Planwagen, 1 Glockenwagen, 1 Wagen mit Backofen, 1 Versorgungswagen) mit jeweils 25 - 30 Personen auf Treck sein. Die Mannschaften, Pferde (ggf.) und Mitfahrer werden an 7 geplanten Stationen wechseln.

4. Wie wird die Tour finanziert?
Finanziell wird die Friedenstour durch unsere Sponsoren ermöglicht: Deutschland (Kulturministerium, Denkmalschutz und Weltkulturerbe), das Land Brandenburg (Ministerium für Justiz und für Europa und Verbraucherschutz), Stiftung West - Östliche Begegnungen, Einzelsponsoren.

5. Was möchten Sie mit der Tour bewirken? Welche Reaktion seitens der Menschen erwarten sie?

Wir haben schon eine kleine Erkundungstour gemacht und die Reaktion der Menschen war durchweg positiv. Wir haben Kontakte geknüpft und genau darum geht es uns.
In Kaliningrad wurden wir von einem Mitarbeiter des Ladwirtschaftsministeriums zu einem Friedhof des 1. Weltkrieges geführt. Dort haben wir Gräber sowohl deutscher, als auch russischer Soldaten gesehen. Mich hat es ziemlich beeindruckt. Der 1. Weltkrieg liegt nur 100 Jahre in der Vergangenheit und wir sollten ihn in Erinnerung behalten, zumal auch ein Zweiter Weltkrieg Tod und Verderben unter die Völker gebracht hat. Das ist wichtig, um weitere Kriege zu verhindern. Außerdem müssen Taten folgen, die den Frieden sichern - dies ist unser Anliegen bei der Tour. Wir wollen vermitteln, wie wir in unserer Heimat leben, welche Werte wir haben und auch versuchen Partnerschaften anzubahnen, auch mit Kommunen sowie Freundschaften pflegen.
Grundsätzlich gehen wir ohne Voreingenommenheit auf die Tour - wir wollen offen für Dialoge sein und lernen bzw. erfahren wie die Menschen in den zu durchreisenden Ländern leben.

Mehr über das Projekt und wie sie es unterstützen können finden Sie hier.

Fotos: Dirk Fröhlich, Katharina Lindner, Dietmar Weber
Interview durchgeführt von: Rimma Gumanik