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So wird Stand-Up in Russland gemacht

Slava Komissarenko mit Solo-Auftritt in Berlin

Das »Russische Haus der Wissenschaft und Kultur« in Berlin bot letzten Donnerstag seine Bühne einem der erfolgreichsten Komiker des modernen russischen Fernsehens an. Der zwei Meter große Weißrusse Slava Komissarenko ist durch seine Auftritte in den russischen Comedysendungen »Stand Up«, »Comedy Battle« und »Cheesecake Factory« berühmt geworden. Aktuell ist er Jurymitglied der TV-Talentshow »Offenes Mikro« (Otkrytyj Mikrofon), die unbekannten russischsprachigen Komikern die Chance bietet, ihr Können vor Millionen Zuschauer unter Beweis zu stellen.

Komissarenko selbst entdeckte seine Liebe zur Comedy in jungen Jahren. Inspiriert hat ihn dabei der weltberühmte Schauspieler Eddie Murphy, dessen Karriere nicht als Schauspieler, sondern als Stand-Up-Comedian auf der kleinen Bühne begann. Nachdem Komissarenko sich die alten Solo-Auftritte des amerikanischen Komikers gesehen hat, wurde ihm klar, womit er seine Brötchen verdienen wollte - andere Leute von der Bühne aus zum Lachen bringen. Zusammen mit einem Kommilitonen gründete er das Komiker-Duo »Gewissen« und begann aktiv die russische Comedy-Szene zu stürmen. Mittlerweile ist er aus dieser nicht mehr weg zu denken und genießt nicht nur in Russland und Weißrussland Popularität, sondern beim russischsprachigen Publikum auf der ganzen Welt. Nun besucht er auf seiner ersten kleinen Tour durch Europa neben Wien und London auch Berlin.

Vor einem vollbesetzen Saal erzählt Slava Anekdoten aus seinem Leben als frischgebackener Ü30er: »Ich war letztens auf einer Party bei Freunden - alle älter als 30. Wisst ihr was das Highlight so einer Party ist?« fragt er das Publikum, »Kuchen! Tonnenweise Kuchen und Erinnerungen daran, was wir früher für Partys geschmissen haben.« Die Kultur des Feierns ändert sich mit 30, so der Komiker: »Früher musste man die Gäste um 11 Uhr morgens überreden zu gehen. Heute überredet man sie zu bleiben - es ist doch erst 21 Uhr und es gibt doch noch Kuchen!« Ein erfolgreicher Partyabend ist auch nicht mehr das, was er mal war: »Man hat als 20-Jähriger alles an Alkohol in sich reingekippt, was im Haus war, ist sturzbetrunken in den Club gefahren und hat versucht wen abzuschleppen. Damals hast du dich irre gefreut, wenn ein Mädel mit dir nach Hause gegangen ist. Heute trinkst du 1-2 Gläschen Wein, gehst mit der Gleichen heim und hoffst, dass sie die Finger von dir lässt, weil du so vollgefressen bist mit Kuchen.« An der Reaktion der Zuschauer wird deutlich, dass die Situation auch vielen in Deutschland lebenden Russen bekannt ist. Generell scheinen die russischen Stand-Up Comedians sich mit den gleichen Themen und Problemen zu beschäftigen, wie auch die deutschen und europäischen Komiker - vordergründig geht es um Alltägliches, Peinliches und natürlich um die Beziehung zwischen Männern und Frauen.

Die Erzählungen über Slavas Freunde und Eskapaden scheinen gut beim Publikum anzukommen. Er selbst schreibt gerne über das, was in seinem Leben passiert. Das Scherzen über politische und sozio-ökonomische Themen meidet Komissarenko dagegen. Dies überlässt er lieber den älteren, erfahrenen Kollegen wie Maxim Galkin und Ivan Urgant. Diesen nimmt das Publikum die Witze und Kritik auch ab.

Komissarenko wird nicht der letzte russischsprachige Komiker bleiben, der dieses Jahr Deutschland besucht: Im Capitol Theater Düsseldorf findet beispielsweise am 20. Mai 2017 die Veranstaltung »Comedy Europe & Stand-Up« statt. Mit dabei sind unter anderem Ivan Usovich, bekannt aus der Sendung »Stand-Up« und Natalia Garipova, Finalistin von »Comedy Battle«.

Von Anastasia Kondratieva