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»Das Sowjetische Experiment«

»Eine Zeitung ist nicht nur ein kollektiver Propagandist und kollektiver Agitator; sie ist auch ein kollektiver Organisator«, sagte einst Lenin. Eine Zeitung ist aber auch ein Medium, dass uns einen Blick in die Vergangenheit zulässt, wie Igor Kulnev in seiner Ausstellung »Das sowjetische Experiment« unter Beweis stellt. Aus Kopien von Schlagzeilen und Artikeln, zeitgenössischen und aktuellen Enzyklopädien, Bildern und Fotos, erstellte er eine Anzahl von Collagen, die einen Einblick in die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungen der letzten hundert Jahre der russischen Geschichte erlauben. Bis zum 31.März 2017 ist die Ausstellung des russischen Künstlers und Historikers Ivan Kulnev in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung zu sehen.

Die symbolgeladenen Bilder zeigen verschiedene Momente der Gesellschaft der UdSSR und Russlands. So zeigt »Der Rote Zar« die Verherrlichung Stalins: Auf rotem Hintergrund steht er selbstbewusst und entschlossen. Unter ihm Heilige, schwebend über dem jubelndem Volk. Auch die Gegenwart verarbeitet Kulnev in seinen Werken. »Seit langem habe ich vor, mich nicht zu verheiraten«, sagt eine junge in Rotlicht gehüllte Frau im gleichnamigen Bild. Sie befindet sich innerhalb eines künstlich vergoldeten Bilderrahmens. Der Hintergrund ist gefüllt mit Schlagzeilen der Boulevardpresse.

Kulnevs Collagen setzen eine Vorkenntnis der russischen Geschichte und Sprache voraus, denn Übersetzungen und Erläuterungen zum historischen Kontext bleiben aus. Jedoch ist ein Besuch seiner Führung am 22. März um 15.00 lohnenswert, um die Herangehensweise des passionierten Historikers, Slawisten und Künstlers zu verstehen und mit ihm die russische Geschichte und ihre Darstellung zu diskutieren.

Von Alexandra Frank