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Interview zum Russisch-Ukrainischen Friedenskonzert

Am 23. April 2017 findet das Russisch-Ukrainische Friedenskonzert in Garmisch-Partenkirchen statt. Hierbei werden Musiker aus der Ukraine und Russland Werke von Komponisten aus beiden Ländern spielen, ebenso wie einige Meisterwerke aus dem musikalischen Weltkulturerbe von Tschaikowski, Mussorgski und Gershwin.
Veranstalter des Konzerts sind der in Hamburg lebende russische Chelist Fjodor Elesin und der in Sankt Petersburg lebende russische Unternehmer German Moyzhes.
Kulturportal Russland hat mit German Moyzhes über die Hintergründe des geplanten Konzerts gesprochen.

KPR: Herr Moyzhes, wie sind Sie und Fjodor Elesin auf die Idee gekommen, ein Russisch-Ukrainisches Friedenskonzert zu organisieren?

Moyzhes: Im Jahr 2015 gab es in Hamburg bereits ein Russisch-Ukrainisches Friedenskonzert. Das Konzert in Garmisch-Partenkirchen stellt keine Weiterführung einer Konzertreihe dar, aber natürlich wurde es durch das erste Konzert inspiriert. Die Idee des ersten Russisch-Ukrainischen Friedenskonzertes hatte damals der Dirigenten Mikhail Golikov. Der Leiter des Sankt Petersburger Taurida-Orchestras gab bereits mehrere Konzerte in verschiedenen Ländern. Aufgrund der anhaltenden Ukraine-Krise sah er damals die Notwendigkeit, ein Zeichen für den Frieden zu setzen.
Sein Vorschlag wurde durch die Stadt Hamburg unterstützt und so konnte auf neutralem Territorium das erste Russisch-Ukrainische Friedenskonzert stattfinden.
Wir haben diese Idee aufgegriffen und dank der Unterstützung von russischen und ukrainischen Familien aus Garmisch-Partenkirchen, sowie des Deutsch-Russischen Forums, konnten wir ein erneutes Friedenskonzert organisieren.


KPR: Was möchten Sie mit dem Konzert zeigen?

Moyzhes: Die Botschaft ist sehr einfach: Trotz aller Konflikte ist es wichtig, im Dialog mit einander zu bleiben - und Kultur ist ein großartiges Mittel dazu! Die Kommunikation zwischen beiden Ländern muss bestehen bleiben, unabhängig von den politischen Entwicklungen.
Schön wäre es natürlich, das Konzert in Russland oder der Ukraine stattfinden zu lassen. Doch solange die Spannungen anhalten, freuen wir uns darüber, es zunächst in Deutschland zu veranstalten.


KPR: Wie nehmen die Musiker ihre Mission wahr?

Moyzhes: Mikhail Golikov, der Leiter des Sankt Petersburger Taurida-Orchestras, berichtete nach dem letzten Konzert, dass das gemeinsame Spiel der russischen und ukrainischen Musiker wunderbar ablief. Im Vorfeld war er unsicher, wie die beiden Orchester zusammenarbeiten würden, weil der Konflikt tief in den Köpfen der Menschen sitzt. Auf der Bühne setzte er die ukrainischen und russischen Musiker bewusst gemischt nebeneinander, um die räumlichen Grenzen aufzuheben. Und letztendlich ist es die Musik selbst, die die Musiker vereint: Im Orchester kann man schließlich nur miteinander, nicht gegeneinander spielen.
Das Taurida-Orchestra ist mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren außerdem sehr jung und seine Mitglieder stammen aus unterschiedlichen Ländern, wie beispielsweise aus Weißrussland, der Ukraine, Kasachstan und sogar Costa Rica. Beides fördert die Offenheit - ein solches Konzert wäre sicher nicht mit jedem russischen Orchester möglich.


KPR: Das Konzert findet in diesem Jahr in Garmisch-Partenkirchen statt. In der Ankündigung zum Konzert verweisen Sie darauf, dass dieser Austragungsort symbolisch für den Dialog der Kulturen und Nationen stehe. Nicht zuletzt, da hier bereits diverse politische, wirtschaftliche und kulturelle Begegnungen stattgefunden haben. Das Friedenskonzert wird vor allem auch durch Familien vor Ort gefördert. Wie kam es dazu?

Moyzhes: Durch meine Arbeit als Jurist kenne ich viele Russisch- und Ukrainischstämmige aus Garmisch-Partenkirchen. Da ich gleichzeitig als Ehrenamtlicher im Freundeskreis des Taurida-Orchestras tätig bin, schlug ich meinen mittelständischen Mandanten vor, Unterstützer des geplanten Friedenskonzertes zu werden. Die meisten waren begeistert von der Idee, weil sie etwas Gutes für ihre Stadt tun wollten. Als russische und ukrainische Einwanderer wurden sie in Deutschland sehr positiv aufgenommen und möchten diesen Menschen nun etwas zurückgeben.
Die Familien beteiligten sich in hohem Maß - sowohl finanziell als auch durch Übernachtungsmöglichkeiten, die sie den Musikern zur Verfügung stellen werden. Die Kinder machten Werbung in ihrer Stadt und Umgebung.
Für uns ist es eine Erleichterung, von der lokalen Gemeinde unterstützt zu werden.

Das Kulturportal Russland bedankt sich für das Interview.

Von Ines Henrich.