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Lehrer-Bericht zum Bundescup "Spielend Russisch" 2017

Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums

Der Lehrer Michael Maier vom Max-Planck Gymnasium in Berlin-Mitte schrieb im Sommer 2017 über seine Eindrücke im Turnier.

Donnerstag, 22. 06. 2017, kurz nach acht im Gymnasium: Ich beginne mich mal wieder zu fragen, warum ich eigentlich das Turnier an unserer Schule in diesem Maßstab durchführe. Im durchschnittlich großen Russisch-Fachraum haben sich knapp 70 Schüler eingefunden, dazu sind zwei Kolleginnen und zwei Referendarinnen aus meiner Schule und noch vier weitere Referendare aus meinem Russisch-Fachseminar da. Schon zu dieser Zeit ist es in dem Raum sehr warm und die Geräuschkulisse erinnert mehr an einen orientalischen Basar als an eine Schule. Aber es hilft ja nichts... Mit etwas Mühe verschaffe ich mir Gehör und kündige an, dass ich nur knapp zehn Minuten Aufmerksamkeit verlange, damit hinterher an diesem Turnier-Tag alles möglichst reibungslos verläuft. Mit meiner vorbereiteten Software-Präsentation stelle ich das Spielbrett, die Fragekarten und die wichtigsten Regeln vor. Danach erkläre ich, wer wann wo spielt. Da wir mit 32 Mannschaften, also mit einem Sechzehntelfinale in das Turnier starten, wir aber an maximal acht Tischen mit acht Spielen und acht Schiedsrichtern spielen, müssen wir die erste Runde in zwei Hälften teilen. Gespielt wird aus Platzgründen in zwei Räumen. Ich präsentiere also zunächst eine Übersicht über die ersten acht Spiele, an denen die Hälfte der Schüler beteiligt sind. Die Einteilung habe ich am Abend zuvor vorgenommen. In der ersten Runde spielen die älteren Schüler, die größtenteils schon in den vorigen Jahren am Turnier teilgenommen haben und die Regeln kennen. Das soll den Novizen, die zum ersten Mal teilnehmen, die Gelegenheit geben, als Zuschauer ein Spiel erleben zu können, bevor sie selbst an der Reihe sind. Schön, wenn es im Leben so einfach wäre... Von den 32 angemeldeten Mannschaften erscheinen 29 vollständig, dafür erscheinen einige Schüler, die sich entweder ohne Partner oder gar nicht angemeldet hatten. Zu der Atmosphäre des orientalischen Basars kommen also noch die Aufgaben hinzu, innerhalb weniger Minuten zu entscheiden, wer wessen Plätze als Nachrücker einnehmen darf und wer leer ausgeht und in den Unterricht muss, und diese Entscheidungen auch noch in die vorbereiteten Spielpläne einzutragen. Irgendwie schaffen wir es, dass um 08:30 in den beiden Räumen acht Schiedsrichter mit 16 Mannschaften und einer Vielzahl von Zuschauern das erste Spiel beginnen können. Da eine Kollegin mir als achte Schiedsrichter im ersten Spiel aushilft, habe ich die Möglichkeit, in dieser halben Stunde als Ansprechpartner für alle Schiedsrichter zur Verfügung zu stehen, die mit den Spielregeln noch nicht ganz souverän vertraut sind. Ab der zweiten Hälfte des Sechzehntelfinales um 09:15 bin ich selbst als Schiedsrichter involviert und kann weitere Anfragen nur noch durch Multitasking beantworten. Hier und da kochen die Emotionen hoch: "Der Schiedsrichter kennt die Regeln nicht!" - "Die angebliche Nichtkönnerin hat litauische Eltern und kann Russisch!" - "Bei denen ist sie großzügig und bei uns verbeißt sie sich in den kleinsten Fehler!" Im Großen und Ganzen lassen sich die Zwistigkeiten durch kurze Gespräche lösen. Eine echte Wegemarke im Turnier ist das Ende des Achtelfinales um 10:30. Ich habe im Rahmen der Eröffnung am Morgen erklärt, dass alle, die vor dem Viertelfinale ausscheiden, danach in den Unterricht müssen. Zwar habe ich beim besten Willen nicht die Zeit zu überprüfen, ob alle Schüler dem nachkommen. Dennoch wird allmählich eine Entspannung spürbar, insofern der orientalische Basar sich zunehmend verläuft und wir - die verbliebenen vier Schiedsrichter (die Referendare meines Fachseminars mussten um 10:30 los) - in ruhigeres Fahrwasser kommen. Ab dem Halbfinale übernehmen die sehr zuverlässigen Russisch-Referendarinnen unserer Schule die Schiedsrichterrolle und ich kann mich um die Vorbereitung der Siegerurkunden und der Anmeldung zur Regionalen Runde kümmern und außerdem Fotos von den letzten Spielen des Turniers schießen. Wir führen neben dem Finale auch ein Spiel um den dritten Platz durch, da es in der Vergangenheit vorkam, dass von den Finalteilnehmern jemand nicht zur Regionalen Runde antreten konnte und dann die nächsten nachrückten. Da wir zwei Mannschaften zur Regionalen Runde schicken, kann also ein dritter Platz auch viel wert sein. Gegen 13 Uhr stehen die Plätze eins bis vier fest und wir kommen zur Übergabe der Urkunden und Preise sowie zu einem abschließenden Fototermin. Als ich mit meiner Kamera vor den acht Schülern und den beiden noch zuletzt tätigen Schiedsrichterinnen stehe und in ihre strahlenden Gesichter blicke, finde ich dann doch noch die Antwort auf die Frage, die ich am Morgen gestellt habe: Da ist offensichtlich heute etwas bewegt worden und das rechtfertigt die Größe des Turniers und den Aufwand an Kraft und Nervenstärke.