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13. Russischen Filmwoche - Schonungslose Lebensgeschichten statt Glanz und Glamour

Aus dem Film "Los trau dich" Aus dem Film "Los trau dich"

Rezension von Anastasia Kondratieva

Schonungslose, reale Lebensgeschichten statt Glanz und Glamour - das scheint das diesjährige Motto der 13. Russischen Filmwoche in Berlin gewesen zu sein.
Zehn vollkommen unterschiedliche Kinofilme aus Russland wurden vom 27. November bis zum 2. Dezember im Russischen Haus der Kultur und Wissenschaft und im frisch eröffneten Delphi Lux Kino am Zoo in russischer Sprache mit deutschen Untertiteln dem Berliner Publikum präsentiert.

Das Kulturportal Russland hat, wie jedes Jahr bei einigen Vorstellungen, mit im Kinosaal gesessen: Ein ganz besonderes Juwel der Filmwoche war der Streifen "Weiße Nächte" - der einzige Schwarz-Weiß-Film im Programm. Er basiert auf dem gleichnamigen Kultroman des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewskij. Die Redaktion von Kulturportal Russland war aus diesem Grund nur zu gerne bei der Filmvorstellung am Mittwochabend in dem Delphi Lux Kino dabei.

Das junge Berliner Kino selbst ist von überschaubarer Größe, es ist gemütlich und durch seine moderne, farbenfrohe Inneneinrichtung sehr erfrischend. Nach der Begrüßung des Kinodirektors und dem Werbetrailer zur russischen Filmwoche, startet die Vorstellung der kinematographischen Adaption von Dostojewskijs "Weiße Nächte": Das Drama dreht sich um die Liebensgeschichte zweier Männer und einer Frau. Gleichzeitig ist der Film eine Hommage an das moderne St. Petersburg, mit seinen historischen Alleen, der Hafenpromenade und den berühmten weißen Nächten, die so hell sind wie der Tag. Abgerundet wird die Ästhetik durch die Wahl der Filmmusik - der Zuschauer hört viele Melodien von "Splean", einer der bekanntesten russischen Rockbands, deren Lyrik und Melodien unter die Haut geht.

Der Träumer Fjodor D. begegnet bei seinem Besuch in St. Petersburg einer bezaubernden, blonden Erscheinung namens Nastja. Er ist sofort von der Leidenschaft und Ungeniertheit der jungen Frau fasziniert. So sehr, dass er ihr bis in die Nacht durch die Straßen folgt und sie aus der Ferne studiert. Je länger er sie betrachtet, desto mehr verliebt er sich in ihr wechselhaftes, kindliches Wesen. An einer Brücke verliert er das Mädchen im weißen Kleid aus den Augen. Alles scheint verloren, doch plötzlich taucht Nastja vor ihm auf, schnappt ihn an der Hand und zieht ihn mit sich in den Trubel der Stadt. Die beiden Fremden sind sich, ohne viele Worte zu wechseln, sofort vertraut.

Sie verbringen einige romantische Nächte zusammen, in denen sie durch die Straßen schlendern, allerhand Unsinn anstellen und ihre intimsten Geheimnisse und Träume miteinander teilen. All das ohne Anfangs auch nur den Namen des anderen zu wissen. Das Glück scheint Fjodr perfekt zu sein, doch dann erzählt Nastja ihm, dass ihr Herz eigentlich einem anderen gehört. Von Anfang bis zum Schluss verfolgt das Publikum sichtlich gespannt das Geschehen auf der Leinwand, fiebert mit Fjodor mit, als er um seine Liebe kämpft und hält den Atem an, als sich das herzzerreißende Ende abspielt.

Seichte Unterhaltung bot dagegen die Road-Movie-Komödie "Rock" als Abschlussfilm am Samstagabend im Delphi Lux Kino. Drei Musiker aus der Provinz bekommen die Chance ihres Lebens - ein Radiosender aus Moskau lädt sie in eine Sendung ein, um ihre Musik den Hörern zu präsentieren. Geplant ist es mit dem Direktzug nach Moskau zu fahren. Aber wie das Leben manchmal so spielt, werden den Rockern bei ihrem Vorhaben einige Steine in den Weg gelegt.

Die Schwierigkeiten fangen an, als einer der drei Jungs zu spät zum Zug kommt und die Band sich eine alternative Reiseroute ausdenken muss um pünktlich in Moskau zu sein. Der erste Versuch per Anhalter zu fahren geht in die Hose - der LKW-Fahrer, der die Rocker mitnimmt, wird bei einem Zwischenstopp von seiner Fischladung erschlagen. Der darauffolgende Trip mit dem Bus endet ziemlich schnell, als die Jungs sich unwissentlich mit einem Auftragskiller anlegen, der sie quer durch die russischen Wälder und Felder jagt. Nachdem sie es endlich schaffen ihm zu entkommen, werden sie mitten im Nirgendwo von einem religiösen Kult gefangen genommen, als sie einen Dorfbewohner nach dem Weg fragen. Irgendwie schaffen sie es am Ende ihrer turbulenten Reise nach Moskau zu kommen. Als sie aber am Gebäude des Radiosenders stehen, begrüßt sie statt des Produzenten ein Löschzug der Feuerwehr - in das Haus hat über Nacht ein Blitz eingeschlagen und die Räumlichkeiten des Senders sind nur noch Schutt und Asche. Die herrlich komischen Zufälle, irrwitzigen Dialoge und die stellenweise schiere Verzweiflung der Hauptcharaktere hat für eine lustige und entspannte Atmosphäre im Kinosaal gesorgt - sowie für viele Lacher bei dem Publikum.