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Die Ausstellung "Der Rote Gott" - Stalin und die Deutschen

(c) Katharina Schaible (c) Katharina Schaible

Auf dem Gelände der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit der DDR im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen liegt eine große Statue des ehemaligen sowjetischen Diktators Stalin. Diese weist den Besucher auf den Eingang in die dort aktuell stattfindende Sonderausstellung mit dem sicher nicht unsanft provokant gewählten Titel "Der Rote Gott - Stalin und die Deutschen".

Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Personenkult um Stalin, seiner Herrschaft über die Sowjetunion und seinem Einfluss auf das politische und gesellschaftliche Geschehen in der DDR.

Die Ausstellung ist aufgeteilt in zwei Räumen - einem roten und einem schwarzen. Im roten Raum erfährt der Besucher alles über die Herkunft und den Aufstieg des georgischen Politikers in der Sowjetunion, seinen Einfluss in der Partei der Bolschewiki und seine Übernahme der Befehlsgewalt nach dem Tod Lenins im Jahre 1924.

Die Ausstellung präsentiert ehemals geheime Dokumente und Listen, von Personen, die bei dem Diktator in "Ungnade" gefallen sind und auf seinen Befehl hin verfolgt und ermordet wurden. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung wie die Machthabenden durch das Retuschieren von Fotos versuchten die ehemaligen Mitstreiter aus dem zeitlichen Gedächtnis zu entfernen und damit die Geschichte zu verändern. Beispielsweise wurden einige Personen aus Fotografien rausgeschnitten und durch andere ersetzt.

Auch die dunkle Seite der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert mit der Diktatur der Nationalsozialisten wird in der Ausstellung aufgegriffen. Trotz der ideologischen Gegensätze der Regime zeigt diese Ausstellung die Ähnlichkeiten in der Machtdemonstration zwischen dem Deutschen Reich unter Hitler und der Sowjetunion unter Stalin. Die Gigantomanie der beiden Diktatoren mündet zunächst in dem gemeinsamen Hitler-Stalin-Pakt von 1939. Zwei Jahre später kämpft die Sowjetunion an der Seite der Alliierten im Zweiten Weltkrieg gegen das Deutsche Reich. Übergroße Plakate und propagandistische Flugblätter zeigen dem Besucher, wie die einstigen Interessenspartner die Völker gegeneinander aufbringen sollten. Damit schließt der rote Raum ab und den Besucher erwartet die Nachkriegszeit im schwarzen Raum.

Dieser Raum widmet sich der Zeit nach 1945 und dem mächtigen Einfluss des sowjetischen Diktators auf die politische und kulturelle Gestaltung der DDR. Die Stunde Null hat geschlagen. Auf dem zerschlagenen Grund wird ein neuer Staat aufgebaut. Auf die neugegründete "Deutsch Demokratische Republik" übt der sowjetische Regierungschef einen deutlichen Einfluss aus. Wie allgegenwärtig sein Personenkult auch in der DDR war, verdeutlichen die unaufhörlich laufenden Projektionen die auf zwei gegenüberliegenden Wänden angebracht sind. Insgesamt sechs große Bildschirme zeigen zunächst ohne Ton inszenierte Feierlichkeiten, Aufmärsche und Reden zu Ehren des sowjetischen Diktators. Schließlich ertönen diese Vorführungen ganz laut und der Besucher bekommt das Gefühl selbst Teil der zuhörenden und jubelnden Masse der 1950er Jahre zu sein.

Der Größenwahn Stalins wird auch durch die monumentalen Ideen für Prachtbauten wiedergegeben. Die Ausstellung präsentiert welches Ausmaß die Pläne für den Aufbau des zerstörten Berlins hatten und wie stark sie die Stadt verändert hätten.

Mit dem Tod des Diktators beginnt in der Sowjetunion unter Nikita Chruschtschow eine neue Ära - die "Tauwetter-Periode". Der neue Generalsekretär schließt mit dem Prozess der Entstalinisierung mit dem Personenkult in der Sowjetunion rund um Stalin ab, während in der DDR die Verehrung bis 1961 andauerte. Schließlich verschwindet auch hier die Omnipräsenz des einst mächtigen Diktators. Seine Statuen werden abgebaut, Bildnisse weggeworfen und filmische Darstellungen überarbeitet. Die Ausstellung präsentiert Überreste dieser abgebauten Statuen, wie zum Beispiel ein Teil von Stalins Schnurrbart, seine Hand und ein Ohr. Außerdem gibt die Ausstellung dem Besucher die Möglichkeit geänderte Filmmateriale zu sehen und sie mit den Originalen zu vergleichen.

Diese Sonderausstellung in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen schafft es in nur zwei Teilen dem Besucher die Vergänglichkeit des Personenkults zu verdeutlichen. Das rote Zimmer symbolisiert Stalins blutigen und gewaltsamen Aufstieg zu einer gottähnlich inszenierten Persönlichkeit, der dann im schwarzen Zimmer seine dominante und bedrohliche Macht erweitert und die Bevölkerung unterdrückt.

Als Sieger über das nationalsozialistische Regime wird er in der Sowjetunion gefeiert, aber als Mörder von Tausenden ist er verhasst. Durch die Glorifizierung seiner Person ließ er sich stilisieren zu einer Art Gottheit, die stets präsent war und über alle wachte. Mit seinem Tod endete die grausame Herrschaft des Diktators und alles was uns an ihn noch erinnert sind die Überreste seines Personenkultes, wie beispielsweise eine auf dem Boden liegende Statue.

Die Ausstellung in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen (Genslerstr.66) ist noch bis zum 30.Juni zu sehen.

Text: Katharina Schaible