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"Neljubov'" - "Loveless" von Andrej Zvjagintsev

(c) Filmplakat - Loveless (c) Filmplakat - Loveless

In dem Berliner Kino "Eiszeit" stand an dem Sonntag vor der Oscarverleihung, alles im Zeichen des begehrten Filmpreises.


Viele Filme, die dieses Jahr in der Kategorie "Bester Film" nominiert waren, wurden in dem Kino gezeigt. Diesmal war in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" der russische Beitrag "Neljubov'" ("Loveless") von dem Regisseur Andrej Zvjagintsev ebenfalls vertreten. Zvjagintsev, der bereits mit "Leviathan" 2015 in derselben Kategorie nominiert war, ging auch dieses Jahr leer aus. Wie in seinem letzten Film, zeigt der mehrfach prämierte Regisseur auch in "Neljubov'" die aktuelle Gesellschaftsentwicklung in Russland auf. In seinem neuesten Werk greift Zvjagintsev ein eher gängiges Thema an - die Scheidung zweier Menschen. Jedoch schafft er es die Tiefen der menschlichen Psyche so zu entblößen, dass "Neljubov'" einen bleibenden Eindruck bei dem Zuschauer hinterlässt.
Zu Beginn sieht der Zuschauer wunderschöne winterliche Landschaftsaufnahmen. Die Erhabenheit und Stille der Natur steht im starken Kontrast zu der chaotischen und selbstsüchtigen Situation der einzelnen Familienmitglieder. Boris und Zhenja lassen sich scheiden. Füreinander empfinden sie nur Hass und Verachtung. Boris lebt bei seiner neuen Liebe Maria, die von ihm ein Kind erwartet und Zhenja bei ihrem neuen Freund, dem älteren und wohlhabenden Anton. Mit dem Verkauf der ehemals gemeinsamen Wohnung versuchen die beiden mit der Vergangenheit abzuschließen. Jedoch wissen beide nicht wie sie den gemeinsamen Sohn Aljoscha in ihre neuen Leben einbinden sollen. Boris findet keinen Zugang zu seinem Sohn und distanziert sich von der Pflicht ihm ein Vorbild zu sein. Seine einzige Sorge besteht darin, ob er nach der Scheidung seinen Arbeitsplatz behalten kann. Die Mutter des Zwölfjährigen ist vordergründig mit ihrem Aussehen beschäftigt und mit ihrer Selbstdarstellung im Internet. Während Zhenja unaufhörlich mit ihrem Handy beschäftigt ist, entgehen ihr die wichtigen Momente des Lebens. So zunächst auch das Verschwinden ihres Sohnes. Nicht die Eltern, sondern Aljoscha's Lehrerin bemerkt sein Fehlen. Da die Polizei die Situation als harmlos einschätzt, wendet sich die Mutter an eine Gruppe Freiwilliger, die auf das Suchen von verschwundenen Kindern spezialisiert ist. Die Suche nach dem Jungen versinnbildlicht die Suche nach den Gefühlen der Eltern zu ihrem Kind. Anstatt sich die eigene Schuld für das Verschwinden einzugestehen, machen sich beide Elternteile gegenseitig Vorwürfe. Angestaute Emotionen und Konflikte, die nie ausgesprochen wurden, brechen auf und die Sorge um den Jungen gerät in den Hintergrund.
"Neljubov'" zeigt die Gleichgültigkeit und Vernachlässigung der Eltern ihrem Kind gegenüber. Der Regisseur porträtiert zwei Menschen, die viel zu sehr mit sich selbst und ihren Karrieren beschäftigt sind und ihren Sohn als Last empfinden. Auch der gewählte Titel "Neljubov'"-"Loveless", verdeutlicht noch einmal die lieblosen und kaltherzigen Familienverhältnisse. Darüber hinaus kritisiert Zvjagintsev, ähnlich wie in seinem letzten Werk "Leviathan", die Scheinheiligkeit vieler russischer Bürger. Sie sündigen und begehen schwere Verbrechen. Dabei verstecken sie sich hinter ihren sakralen Symbolen, wie Kreuze und Ikonen. Beispielsweise hat Boris in seinem Auto und auf seinem Arbeitsplatz mehrere Ikonen stehen und Zhenja trägt ein Kreuz. Jedoch wirken diese Attribute wie Dekoration und nicht wie ein ernsthafter Umgang mit dem Glaubensbekenntnis.
Zvjagintsev ist es mit seinem Film gelungen die Entfremdung innerhalb einer Familie aufzuzeigen und zu enthüllen. Die Menschen sind bemüht ein perfektes Leben im Internet zu präsentieren und dieses vor Fremden zu inszenieren, aber in der Realität versagen sie in zwischenmenschlichen Situationen vollkommen.

Der Film "Neljubov'" wird aktuell in folgenden Berliner Kinos gezeigt:

Acud Kino, CinemaxX Berlin, Delphi Lux, Filmrauschpalast, fsk - Kino am Oranienplatz, IL KINO, Kino Krokodil, ladenKino, Moviemento Kino in Berlin, Tilsiter Lichtspiele

Hier könnt ihr den Trailer zu dem Film in deutscher Sprache ansehen:

https://www.youtube.com/watch?v=Akpvy8h9vDw

Text: Katharina Schaible