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Wolgograd-eine Stadt mit vielen Namen ein Erfahrungsbericht

(c) Linda Matzdorf (c) Linda Matzdorf

Die Stadt Wolgograd, ehemals Stalingrad, ist heute vielen Menschen vor allem durch den erbitterten Kampf um die Stadt im Zweiten Weltkrieg im Gedächtnis geblieben. Seitdem stand und steht Wolgograd bis heute vor allem in Russland als Ort des Gedenkens, an dem der Faschismus bekämpft und besiegt wurde. 1961, acht Jahre nach Stalins Tod, wurde die Stadt in Wolgograd umbenannt. Für viele Russen/innen ist ein Besuch in Wolgograd aufgrund der Ereignisse im Großen Vaterländischen Krieg ein Muss, um derer zu gedenken, die den Faschismus an der Wolga erfolgreich bekämpft haben.

Kulturportal Russland gibt einen kleinen Einblick in die historische Stadt im Süden Russlands und erklärt warum sich ein verlängertes Wochenende in Wolgograd lohnt.

Allgemeines zu Wolgograd

Wie der Name bereits verrät liegt die Stadt an der Wolga, südöstlich von Moskau. Von der russischen Hauptstadt bis Wolgograd sind es ca. 980 km. Zur Gründung im Jahre 1589 hieß die Stadt Zarizyn, nach einem Nebenfluss der Wolga benannt. Bereits vor der offiziellen Gründung Zarizyns am 2. Juli 1589 waren hier Menschen verschiedenster Völker wie die Skythen, ein Nomadenvolk, angesiedelt. Aufgrund des 1763 von Katharina der Großen geschriebenen »Einladungsmanifests« kamen im 18. Jahrhundert viele Menschen aus Deutschland, um die dünnbesiedelten Gebiete an der Wolga zu bewirtschaften.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich Zarizyn zu einem bedeutenden Handels-und Wirtschaftszentrum an der Wolga. Besonders durch den Bau der Eisenbahn im späten 19. Jahrhundert, wurde Zarizyn als neuer Knotenpunkt im Süden Russlands bekannt. Hier entstanden große Industrien im Bereich der Holz-und Metall Verarbeitung.
Wolgograd/Stalingrad während der Belagerung im Zweiten Weltkrieg
Ende August 1942 gelang es der Sechsten Armee der deutschen Wehrmacht große Teile der Stadt einzunehmen. Das Pawlow Haus, unweit des heutigen Stadtzentrums, konnte auch nach mehrmaligen Versuchen nicht eingenommen werden. Auch die Gerhardt-Mühle nahe der Wolga wurde während des Krieges nicht stark beschädigt. Daher gelten das Pawlow Haus und die alte Gerhardt-Mühle bis heute als architektonische Symbole des Widerstandes im Großen Vaterländischen Krieg.
Drei Monate später - im November 1942 - gelang es der Roten Armee Stalingrad und die sich darin befindende Sechste Armee der deutschen Wehrmacht einzukesseln. Am 3. Februar 1943 kapitulierte die deutsche Wehrmacht unter Führung von Generalfeldmarschall Friedrich Paulus.
Durch die Angriffe während des Zweiten Weltkrieges war die Stadt fast komplett zerstört. Nach der Kapitulation der Deutschen wurde sofort mit dem Wiederaufbau begonnen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Stalingrad offiziell zur »Heldenstadt« erklärt. Nach dem Tod Stalins im Jahre 1953 erhielt die Stadt im Zuge der Entstalinisierung den Namen Wolgograd.

Sehenswertes in Wolgograd

Für alle, die an der Geschichte Russlands interessiert sind, ist Wolgograd ein Muss. Hier kommen sowohl Geschichts- als auch Architektur Enthusiasten auf ihre Kosten. In kaum einer anderen russischen Stadt ist die Geschichte vom Zweiten Weltkrieg so allgegenwärtig wie in der Wolgastadt. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass es in der Stadt zahlreiche Museen gibt, die dem Zweiten Weltkrieg gewidmet sind.
Zu den Sehenswürdigkeiten, die man sich in Wolgograd nicht entgehen lassen sollte, gehört der Mamai-Hügel. Er ist das Herzstück der Stadt und wurde während der Schlacht um Stalingrad hart umkämpft. Die bekannte »Mutter Heimat ruft« Statue auf dem Mamai-Hügel wurde Ende der 1960er Jahre vom sowjetischen Künstler und Bildhauer Jewgeni Wutschetitsch entworfen. Zusammen mit den Statuen des Soldaten im Treptower Park in Berlin, der Arbeiter-Statue in Magnitogorsk bilden diese ein Triptychon- ein dreiteiliges Bild des Zweiten Weltkrieges. Die Arbeiter schmieden das Schwert, Mutter Heimat reckt das Schwert in die Höhe und der Soldat in Berlin senkt dieses wiederrum. Die »Mutter Heimat ruft« Statue steht auf einem selbsttragenden Fundament und ist mit ihren 85 Metern Höhe eine der größten Statuen der Welt - zum Vergleich: Die Freiheitsstatue von New York ist ca. 93 Meter hoch. Allein das Schwert der »Mutter Heimat ruft« ist 33m hoch und wiegt 14 Tonnen.

Vom Zentrum Wolgograds aus ist es empfehlenswert die Straßenbahn zum Mamai-Hügel zu nehmen. Die Fahrtdauer beträgt ca. 10-15 Minuten. Besucher/innen werden am Mamai-Hügel angekommen, über einen Pfad in das parkähnliche Areal mit mehreren Höhen geleitet. Auf der Spitze thront die »Mutter-Heimat-ruft« Statue. Die Treppen hinauf verläuft ein mit Pappeln umgebener Weg, der die Besucher zur nächsten Ebene, dem Brunnen mit Soldaten bringt. Der Brunnen ist auch als »Platz der nicht Zurückweichenden« bekannt. In der Mitte beherbergt er eine Statue, die einen bewaffneten Mann mit freiem Oberkörper darstellt. Ab dieser Höhe hat der/die Besucher/in die Möglichkeit den Hügel weiter durch Treppen zu erreichen oder links vom Brunnen den Aufstieg zur orthodoxen Kirche, die erst im Jahre 2005 erbaut wurde, zu nehmen.
Wir empfehlen den ersten Weg geradeaus weiterzugehen. Hinter dem Brunnen sind die sogenannten Ruinenwände. Auf ihnen ist die Schlacht von Stalingrad dargestellt. Aus Lautsprechern, die in die Wände eingefasst sind, ertönen Berichterstattungen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Auf der oberen Anhöhe befindet sich abseits hinter dichtem Grün versteckt der »Platz der Helden« mit angelegtem Wasserbecken. Um das Becken herum erheben sich Statuen von Soldaten, die in Kampfsituationen dargestellt sind.

Auf der vorletzten Anhöhe befinden sich zwei Sehenswürdigkeiten. Oberhalb des »Platzes der Helden« ist umgeben von einem Teich die Statue der trauernden Mutter mit ihrem Sohn, der als gefallener Soldat dargestellt ist, errichtet. Das Gesicht des Gefallenen ist zum Zeichen seiner Tätigkeit und Tapferkeit im Krieg symbolisch mit einer Fahne bedeckt.
Auf derselben Anhöhe befindet sich die Ruhmeshalle mit der »Ewigen Flamme«, die symbolisch für das Erinnern an die im Krieg Gefallenen steht. Um die Flamme herum legen Besucher oft rote Nelken ab. Die rote Nelke hat weltweit verschiedene symbolische Bedeutungen. In Russland wird sie mit dem Vaterländischen Krieg verbunden und symbolisiert Tapferkeit, Sieg und Freiheit. Die »Ewige Flamme« wird von Soldaten bewacht. In der Regel findet vor der Flamme am Ausgang einmal pro Stunde eine Ablösung der Soldaten statt.

Wolgograd wird auch als Stadt, die auf Knochen aufgebaut ist, bezeichnet. Genau kann die Anzahl der Gefallenen nicht festgestellt werden. Schätzungsweise wird von 1 Millionen Opfer auf russischer und 600.000 auf deutscher Seite ausgegangen. Einen Ehrenfriedhof für die Opfer gibt es hinter der Mutter Heimat Statue.

Wer sich für russische Geschichte interessiert, der sollte dieser von der Geschichte geprägten Stadt unbedingt einen Besuch abstatten.


Von Linda Matzdorf