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Erzählung
 
Jewgenij Grischkowez
Flüsse
 
Ammann Verlag, Zürich, März 2010, 176 S., 18,95 Euro, ISBN: 9783250601388
 
Originaltitel »Reki«
Aus dem Russischen von Beate Rausch

Für diejenigen, die Gründe finden, dort zu leben, wo sie geboren sind, und für diejenigen, die Gründe haben, von dort wegzugehen.

Mit »Flüsse« kehrt Jewgenij Grischkowez in die sibirische Kleinstadt zurück, in der er aufgewachsen ist. Skurrile Jagderlebnisse, urbane Legenden und eine Fülle von Kindheitsepisoden ranken sich um die Frage, was den Ich-Erzähler - Alter ego des Autors - eigentlich mit seinem Herkunftsort verbindet.

»Immer, wenn ich den Namen unserer Stadt auf der Weltkarte oder gar auf dem Globus fand, fühlte ich mich, als stünde dort etwas über mich persönlich.« Doch was da steht, ist nicht so einfach zu entziffern. Denn sein Sibirien hat nur wenig zu tun mit dem Blick von Außenstehenden auf diese vermeintlich exotische Gegend. Nur ein einziges Mal im Leben hat er einen Bären gesehen, allerdings unter solch ungewöhnlichen Umständen, daß ihm keiner glaubt. Die Taiga empfindet er nicht als Sehnsuchtsort voll Weite und Abenteuer, sondern als unheimlichen, mückenverseuchten Urwald.

Auf unpathetische und witzige Weise gelingt es Grischkowez in diesem abwechslungsreichen Monolog, die fremde Vertrautheit einzufangen, die wir alle für unsere Heimat empfinden.

JEWGENIJ GRISCHKOWEZ
geboren 1967 in Kemerowo/ Sibirien, ist ein Kultstar der russischen Theaterszene. 1990 gründet er die Theatergruppe »Loge« in Kemerowo, mit der er als Autor, Regisseur und Schauspieler mehr als 20 Inszenierungen erarbeitet. In dieser Zeit entstehen seine ersten Monologstücke, die er als Dartseller zu einer eigenen Form der Performance entwickelt.
1998 zieht Grischkowez nach Kaliningrad. Im selben Jahr entsteht sein Stück »Wie ich einen Hund verspeiste« - ein Monolog, der eine ganz eigene Richtung in der russischen Dramatik begründet. Beim Moskauer Theaterfestival »Goldene Maske« erhält er dafür gleich drei Preise und feiert seitdem auch international große Erfolge. Grischkowez arbeitet auch als Regisseur, hat mit der Jazzgruppe Bigudi eine CD eingespielt und 2004 seinen ersten Roman »Das Hemd« veröffentlicht. Jewgenij Grischkowez lebt und arbeitet in Kaliningrad.

www.ammann.ch