Home | Kontakt | Login | Impressum

Deutsch-Russische Veranstaltungen
Kultur Niedersachsen

Dem Vergessen entrissen - Symphonische Musik von Alexander Weprik

Der zu Unrecht vergessene Komponist Alexander Weprik (1899-1958), dessen Todestag sich 2018 zum 60. Mal jährt, war ein musikalisches Wunderkind. Bereits mit 24 Jahren unterrichtete er am Moskauer Konservatorium. In den 1920er- und 1930er-Jahren gehörte er zu den bekanntesten sowjetischen Komponisten im Ausland. Hermann Scherchen dirigierte seine Tänze und Lieder des Ghetto 1927 in Leipzig, 1933 führte Arturo Toscanini dieses Werk in der New Yorker Carnegie Hall auf.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten verschwand Wepriks Name aufgrund seiner jüdischen Abstammung zunächst aus deutschen Konzertsälen. Auch in der Sowjetunion nahm der Druck auf jüdische Künstler zu: Im Jahr 1943 wurde Weprik zusammen mit anderen jüdischen Professoren des Moskauer Konservatoriums fristlos entlassen. 1950 wurde er denunziert, verhaftet und ohne Straftatbestand zu acht Jahren Gulag verurteilt. Nach der Entlassung vier Jahre später komponierte er nur noch wenig und starb frühzeitig an den Folgen der Lagerhaft. Seine Musik geriet in Vergessenheit, bis Jascha Nemtsov in den 1990er-Jahren begann, Wepriks Kammermusik in verschiedenen Ländern zu spielen, aufzunehmen und über den Komponisten zu publizieren.

Wepriks Werke für Symphonieorchester bilden bis heute einen ungehobenen Schatz. Aufführungen durch das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) unter Leitung von GMD Christoph-Mathias Mueller in den Jahren 2017/18 haben bei Publikum und Ausführenden durch die Stärke und Tiefe dieser Musik einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Seine Orchestermusik wird nun durch eine CD-Aufnahme und ein Symposium international zugänglich gemacht. Während des Symposiums werden eine vertiefte Kenntnis seines Lebens und seiner Schaffensweise vermittelt sowie Werkanalysen und Hörbeispiele geboten. Dazu laden wir Interessierte aus allen Bereichen künstlerisch-musikalischer Praxis, Musik- und Osteuropawissenschaften herzlich ein.

Programm

9:00 Uhr Grußwort
Stefan Weiss, Hannover
Vorstandsvorsitzender des Musikwissenschaftlichen Instituts der HMTMH

Chair: Christoph Flamm, Lübeck
9:15 Uhr "Die Wiedergeburt der Folklore": Alexander Weprik und die Neue Jüdische Schule in der Musik
Jascha Nemtsov, Weimar
10:00 Uhr Alexander Weprik in Deutschland und Österreich. Das Jahr 1927
Olesya Bobrik, Moskau
10:30 Uhr Diskussion
10:45 Uhr Kaffeepause
11:15 Uhr Zwischen Modernefaszination und Vulgärsoziologie. Alexander Weprik als Publizist und Kulturvermittler in den 1920er- und 1930er-Jahren
Wolfgang Mende, Dresden
11:45 Uhr Das sozrealistische Paradigma in der sowjetischen Musik am Beispiel von Alexander Wepriks Kantate "Narod-geroi" (Das Volk als Held)
Igor Vorobyov, Sankt Petersburg
12:15 Uhr Diskussion
12:30 Uhr Mittagspause

Chair: Jascha Nemtsov, Weimar
14:00 Uhr Melos und Rubato - Spuren von Klezmer und Synagogalmusik in Alexander Wepriks symphonischen Werken. "Tänze und Lieder des Ghetto" und Fünf kleine Stücke für Orchester
Joachim Klein, Weimar
14:30 Uhr Maske oder Bekenntnis? Die Zwei Symphonischen Lieder op. 20
Christoph Flamm, Lübeck
15:00 Uhr Diskussion
15:15 Uhr Kaffeepause
15:45 Uhr Komponieren an der Grenze des Lebens. Alexander Weprik im Gulag
Inna Klause, Göttingen
16:15 Uhr Komponieren nach dem Gulag? Symphonie Nr. 2 (1938) und Zwei Poeme (1957): Ein Vergleich
Christoph-Mathias Mueller, Hannover
17:00 Uhr Abschlussdiskussion, anschließend geselliges Beisammensein
Kontakt

Prof. Dr. Stefan Weiss

Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Emmichplatz 1, 30175 Hannover

weprikprojekt@gmail.com

Die Veranstaltung findet statt in Hörsaal 202.

Quelle: H/Soz/Kult

Kategorie:

Vortrag
 

Termin:

Uhrzeit:

08.12.2018 09:00

Veranstaltungsort:

Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
Emmichplatz 1
30175  Hannover

Veranstalter:

Musikwissenschaftliches Institut der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover