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Deutsch-Russische Veranstaltungen
Kultur Berlin

10. StummfilmLiveFestival: »1929!«

Composer`s Cut - Das Babylon eröffnet am 29. August um 19.30 Uhr sein 10. StummfilmLiveFestival mit einer ganz besonderen Film-Musik-Premiere des Babylon Orchesters Berlin unter der Leitung des Dirigenten Marcelo Falcão: Nach 90 Jahren finden erstmals in Deutschland der von Dimitri Schostakowitsch (1906-1975) komponierte, vollständige Score und der ungekürzte Film »Das neue Babylon« von Grigori Kosinzew (1905-1973) und Leonid Trauberg (1902-1990) in der ursprünglich gedachten Weise zusammen.

Das junge, künstlerische Trio - alle unter 30 Jahre - war ästhetisch neuartig, gewagt, provokativ. Es wollte das Publikum filmisch wie musikalisch herausfordern. Die Komposition sollte nicht, wie damals üblich, das Geschehen nur illustrieren. Schostakowitschs originale Partitur arbeitete mit innovativen Techniken, dem Kontrastprinzip und dekonstruierte sogar die Marseillaise. Nach der 2010 auf der Berlinale gefeierten Wiederentdeckung der fast vollständigen Originalfassung von »Metropolis« erwartet das Publikum nun erneut eine besondere Premiere und sicherlich das größte Stummfilmereignis im Jahr 2019: Entdecken Sie das Frühwerk des genialen Dimitri Schostakowitsch nach 90 Jahren endlich so, wie es für den Film komponiert war.

Die Basel Sinfonietta schreibt 2011: »Mit dem Stummfilm Das neue Babylon (1929) gelang dem Regie-Duo Grigori Kosinzew und Leonid Trauberg ein zeitloses, packendes Meisterwerk, bei dem auch musikalisch keine Wünsche offen bleiben: Der Soundtrack des 22-jährigen Dmitri Schostakowitsch sprüht geradezu vor jugendlichem Übermut, Zitatwitz, Sarkasmus und Originalität.«

Die Uraufführung von »Das neue Babylon« fand am 18. März 1929 in Leningrad statt. Doch wenige Wochen vor der Premiere kürzte die Zensur den Film über die Niederschlagung der Pariser Commune um etwa 25 Prozent bzw. 30 Minuten und änderte damit grundlegend die Narration.

Die individuelle Geschichte des Paares Louise und Jean sie Verkäuferin im Kaufhaus »Das neue Babylon« und leidenschaftliche Kommunardin, er politisch unbedarft und vom Land wird zugunsten des kollektiven Portraits dieser rebellischen Zeit verdrängt, herausgeschnitten. Das verstärkt das Alleinstellungsmerkmal des Filmes, er wird nun noch avantgardistischer, kubistischer. Aber die Musik, die mit vielen neuartigen Techniken arbeitet, kommt nicht hinterher. Schostakowitsch, der in Rekordzeit seine erste Filmmusik in dreifacher Version komponieren sollte, musste in kürzester Zeit seine musikalische Montage entscheidend umarbeiten. Die Premiere war ein Fiasko, die Zuschauer riefen: »Der Dirigent ist betrunken«.

Seither wird ein Torso auf die Leinwand projiziert. Auch bei der aufwendigen arte Produktion zum 100. Geburtstag des Komponisten fehlen 25 Prozent von der Musik. Wahrscheinlich hat Schostakowitsch selbst nie seine Partitur mit Orchester und Film so erleben können, wie er sie ursprünglich komponiert hat. Er stand am Anfang seiner Karriere, 22 Jahre jung. Alles, was nachher kam, ist WeltKunstGeschichte.

Wer ist dieser Dimitri Schostakowitsch? Seine Mutter Sofia war Pianistin und förderte früh sein musikalisches Talent. Schon mit 13 Jahren begann er am Petrograder Konservatorium das Klavier- und Kompositionsstudium. Als er selbst an seiner Berufung zweifelte, arbeitete er 1923 und 1924 als Klavierspieler im Kino und gewann so seine erste Filmerfahrung. Die Diplomarbeit und erste Symphonie des 18-Jährigen wurde ein internationaler Erfolg. Insgesamt komponierte er 15 Sinfonien, darunter die legendäre »Leningrader Symphonie« (Nr. 7). Diese entstand, als die Nazis seine Heimatstadt Leningrad überfielen und mit einer Blockade die Bevölkerung aushungern und vernichten wollten. Schostakowitschs Siebte gilt als Symbol des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, mit ihr stieg er zu einem der populärsten Komponisten der Gegenwart auf.

Das 10. StummfilmLiveFestival im Babylon präsentiert vom 29. August bis 8. September den End- und Höhepunkt der Stummfilmära: 40 Filme aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden, aus der Sowjetunion und den USA aus dem Schicksalsjahr 1929. Das Jahr, in dem das Babylon mit seiner großen Kinoorgel und dem Orchestergraben eröffnet wurde. Und am Horizont, im Westen, unaufhaltsam, der Tonfilm erschien.
Zum 90. Babylon Jubiläum in diesem Jahr gründete sich das Babylon Orchester Berlin, das inzwischen über acht verschiedene Musik-Programme verfügt und in 40 Aufführungen bisher insgesamt 20.000 Zuschauer begeisterte. Das Babylon, 1929 als Stummfilmkino eröffnet, ist das einzige Kino Deutschlands, das über ein eigenes Orchester und eine festangestellte Kinoorganistin verfügt. Das Babylon ist der Ort in Deutschland für gelebte und vielfältige Stummfilmpraxis.

Kategorie:

Film
 

Termin:

Uhrzeit:

29.08.2019 19:30

Veranstaltungsort:

BABYLON
Rosa-Luxemburg-Straße 30
10178  Berlin
(030) 2425969

Veranstalter:

BABYLON
Telefon: (030) 2425969
www.babylonberlin.de